Stadtverband der Gartenfreunde Halle/Saale e.V.
Chronik

Die Wurzeln der kleingärtnerischen Tätigkeit in Halle (Saale) reichen zurück bis ins 19. Jahrhundert. Die Industrialisierung im mitteldeutschen Raum, speziell in Leipzig und Halle, führte zu einer starken Urbanisierung in diesen Städten. Schrebers Forderung zum Aufbau öffentlicher Spielplätze in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ wurde von Hauschild insofern umgesetzt, als dass er den Aufbau von Spielplätzen forderte, um die Kinder im Westen Leipzigs nicht den Gefahren der „bedauernswerten Kinder der inneren Stadt“ auszusetzen. Die so gegründete Gemeinschaft sollte den Namen „Schreber-Verein“ tragen. 1865 fand die Eröffnung des „Schreberplatzes“ statt; 1868 ließ der pensionierte Oberlehrer Gesell am Rande des Platzes Beete anlegen. 1874 gründete sich in Leipzig der „Schreberverein der Südvorstadt“ und nannte sich nach seinem Umzug „Schreberverein der Westvorstadt“.

 Im Fortgang muss für Halle Emil Abderhalden erwähnt werden, der als Uni-Professor selbst Kleingärtner und Förderer des Kleingartenwesens in den 1920er Jahren war.

Am 14.06.1990 erfolgte im Verein Am Riebeckstift die Gründung des Verbandes der Garten- und Siedlerfreunde (VGS) Halle als Nachfolger des Stadtverbandes des VKSK.

Folgende Gartenvereine feiern im Jahr 2022 Jubiläen

110 Jahre Am Thaerviertel e.V. (SVG 014)

100 Jahre Kröllwitz 1 und 2 e.V. (SVG 051)

95 Jahre Gesundbrunnen e.V (SVG 039), Pulverweiden e.V. (SVG 064)

90 Jahre Ammendorf Ost e.V., Frohe Zukunft – Bierrain e.V.,

Reideburg e. V., Am Tierheim e.V., Ammendorf Vorwärts e.V.,

Am Birkhahn e.V., Sanssouci e.V., Heideblick Dölau e.V.,

Kanenaer Weg“ e.V.


SVG 014

Am Thaerviertel e.V.

MIt der Industrialisierung kam es zur Herausbildung der Naturheilkundebewegung. Es folgte die Gründung von Gartenstädten. In Halle betraf es das Thaerviertel, die Gartenstadt Nietleben sowie die Gartenstadt Gesundbrunnen. In diesen Genossenschaftsbewegungen kam es zur Schaffung von Kleingartenanlagen. So entstand 1912 die Kleingartenanlage „Am Thaerviertel“ e.V.   Auf einer Fläche von 8.568 m² befanden sich 43 Parzellen. Durch Zusammenlegung in den 2010-er Jahren reduzierte sich deren Anzahl au 41 Kleingärten.

[Recherche: Tondera Mai 2022]

SVG 020

An der Diesterwegschule e.V.

Als 1926 mit dem Bau der Gartenstadt Gesundbrunnen begonnen wurde, entstand auch gleichzeitig die Anlage eines Parks, den wir heute als Pestalozzipark kennen. Das noch vorhandene Ackerland auf der Böllberger Flur, das nach der vollzogenen Umgestaltung übrigblieb, und die vom Magistrat neu zugeteilten Flächen, wurden 1926 nach dem Vorbild anderer großer Industriestädte verschrebert, wie man damals die Parzellierung oder Schaffung von Kleingartenanlagen nannte.

Die Anlage hat heute eine Fläche von 22.556 m², auf der sich 82 Parzellen befinden (Stand 28.07.2007). Im Jahr 1926 wurden auf diese Weise 177 Parzellen verpachtet. Im Jahr 1927 wurden, nach erneuter Veränderung der Gesamtfläche, die Parzellen auf drei Flurstücke verlegt, so wie sie heute noch im Wesentlichen erhalten sind. Das sind in der Böllberger Flur 1 die Flurstücke 1921/70 = Anlage I, 1923/70 = Anlage II, 1927/70 = Anlage III.

108 Kleingärten zu je 250 m² bei einer Gesamtfläche von 27.860 m² wurden damals geschaffen und dem Verein, der mit der Gründung den Namen Bundes-Dauerkleingartenanlage „An der Diesterwegschule“ erhielt, vom Magistrat der Stadt Halle verpachtet.

Diese Anlage wurde unter Mitwirkung von Emil Abderhalden als Vorsitzender des Bundes der Dauerkleingartenanlagen von Halle gegründet. Er verfasste eine Kleingartenordnung, die eine kollektive Leitung in den einzelnen Vereinen vorsah, die sich Kleingartenrat nannte und aus den Vorsitzenden, dem Kassenführer, dem Schriftführer und dem Beisitzer bestand.

Die Kleingartenordnung entsprach im Wesentlichen unserer heutigen. Der Bund der Kleingartenanlagen hatte in Halle übrigens eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichem Sekretär (so wie heute).

In den 1960-er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es nochmals eine Veränderung in Bezug auf die vom Verein genutzte Gesamtfläche. Mit dem Bau des heutigen Ärztehauses Diesterwegstraße verlor die Anlage III gut die Hälfte ihrer Parzellen und wegen Straßenbaumaßnahmen nochmals einige, so dass sie heute mit 18 Parzellen die kleinste Teilanlage des Vereins ist.

Als es 1979/80 hieß, wir bauen uns ein Häuschen, haben alle damaligen Gartenfreunde bewiesen, dass sie neben ihrem eigentlichen Beruf alle bautypischen Berufe ausführen können. Es entstand ein Vereinsheim, welches aus dem Leben des Vereins nicht wegzudenken war.

Auch in dieser Zeit wurden die Anlage I und II an das elektrische Netz angeschlossen.

[Recherche: Tondera April 2022]

SVG 039

Gesundbrunnen e.V.

Ganz in der Nähe vom Pestalozzipark gelegen, befinden sich die Gärten als Blöcke A bis D westlich und östlich des Passendorfer Weges. Auf 52.331 m² befinden sich 177 Parzellen. Der Verein wurde als Bundeskleingartenland 1927 durch den seit 1915 bestehenden „Verein zur Erhaltung und Mehrung der deutschen Volkskraft“(VEMdVK) gegründet. Die Anlage galt als Bundeskleingartenland und gehörte nicht zum Stadtverband. 

2005 beteiligte sich der Verein erfolgreich am Landeswettbewerb Schönster Gartenverein. 2007 feierte der Verein sein 80-jähriges Bestehen mit einem bunten Gartenfest. 

[Recherche: Tondera April 2022]

SVG 051

Kröllwitz I und II e.V.

1922 wurde der Kleingartenverein „Kröllwitz 1 und 2“ e.V. mit 133 Parzellen auf 37.689 m² gegründet. 2022 feierte der Verein sein hundertjähriges Bestehen. Die Anlage Kröllwitz I wurde gemäß vertraglicher Vereinbarung mit dem Eigentümer zwischen 2016 und 2022 leer gezogen, und im Frühjahr als aufgelöst erklärt.

[Recherche: Tondera April 2022, ergänzt Neuss Juni 2022]

SVG 055

Am Ludwigsfeld e.V.

Der Verein wurde 1946 gegründet; auf einer Fläche von 37.880 m² werden 126 Parzellen bewirtschaftet.

[Recherche: Tondera April 2022]

SVG 057

Am Melanchthonplatz e.V.

Der Verein wurde 1911 gegründet,  15 Pächter bewirtschaften 4.505 m².

[Recherche: Tondera April 2022]

SVG 061

Am Paul-Riebeck-Stift e.V.

Sie ist eine der bekanntesten Anlagen unserer Stadt. Sie wurde als „Schreberkolonie am Riebeckstift“ am 17.  August 1911 auf dem Gelände der Gebrüder Beyer gegründet. Auf einer Fläche von etwa 74.000 m² befinden sich 304 Gärten in der Größe von 150 bis 350 m².

Bereits 1914 gab es eine Polizeiverordnung, nach welcher bis Ende März alle Bäume und Sträucher von „Schädigern“ frei sein mussten. 1926 hatte der Verein eine Ferienkolonie für die Kinder der Mitglieder sowie von Kindern, welche das Jugendamt „überwiesen“ hatte, gemäß dem Motto „Kommt, lasst uns unseren Kindern leben“ durchgeführt. Daran nahmen 185 Kinder, darunter 37 vom Jugendamt teil. Weitere Aktivitäten folgten. Im Jahr 1927 wurde das Vereinshaus als Fachwerkhaus errichtet. Das wurde auch mit für die bestehenden Chöre – es bestand ein Männer- sowie ein gemischter Chor – genutzt.

Durch Baumaßnahmen der Stadt Halle verkleinerte sich die Anlage im Jahr 1985 auf 7,3 ha mit nun nur noch 300 Parzellen.

1999 erfolgte die Reprivatisierung der Gesamtfläche an die Erben der Gebrüder Beyer.

Im Jahr 2003 wurde das Vereinsheim großzügig renoviert. Es steht damit auch wieder den Vereinsfreunden für Familienfeiern zur Verfügung.

[Recherche: Tondera April 2022]

SVG 079

Robert-Koch-Straße e.V.

Der vermutliche Gründungstermin des „Vereins der Kleingartenpächter an der Huttenstraße“ war der 2. September 1923. Der Vereinsgründer war der Schneidermeister Otto Tschalpe. Der Name des Vereins hat sich im Laufe der Zeit mehrfach geändert. Am 18. Januar 1924 wird dem damaligen Verein die Gemeinnützigkeit zuerkannt. Am 20.10.1931 wird die Anlage durch Zukauf flächenmäßig erweitert. In den letzten beiden Kriegsjahren 1944/45 kommt es zu teilweisen Verwüstungen durch Bomben und Granaten.

Derzeit verfügt der Verein über 57 Parzellen bei einer Fläche von 19.895 m². Der kleinste Garten misst 162 m², die Durchschnittsgröße liegt bei 300 m².

[Recherche: Tondera April 2022]

SVG 097

Warneck/Tucholsky-Straße e.V.

Hervorgegangen ist der Verein aus einer ehemaligen Kiesgrube, welche zum Teil mit Bruchglas der in der Nähe befindlichen Brauereien sowie Müll verfüllt wurde. Bereits nach Ende des 2. Weltkrieges wurde 1947 mit der Stadt Halle ein Pachtvertrag zur Nutzung der Fläche als Kleinacker, d. h. ohne Genehmigung zur Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern, geschlossen. Dazu musste Mutterboden aufgefüllt werden. Auf dieser Fläche waren es erst neun Parzellen, welche durch Neuaufteilung auf elf erweitert wurde. Parallel dazu gab es eine zweite Anlage mit 30 Parzellen. Im Jahr 1975 wurden beide Anlagen in den Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) aufgenommen - das war die Geburtsstunde für den Verein mit 11.189 m² Fläche und 41 Parzellen. 1975 wurde die bestehende Wasserleitung erneuert, 1978 an das Elektronetz angeschlossen. 1983 fasste man den Entschluss, ein Spartenheim zu bauen. 1995 stand die Existenz der Anlage wegen Bebauungsplänen der Stadt Halle auf der Kippe. In den Jahren 2004/2005 wurde das Spartenheim rekonstruiert, ebenfalls die Wasserleitung.

[Klaus Tondera, 2022]

Die Gartenanlage wurde am 01.11.1947 mit dem ersten Pachtvertrag gegründet. Sie liegt, wie der Name schon sagt, im Winkel zwischen der verlängerten Kurt-Tucholsky-Straße und der Warneckstraße.

Nach Beendigung des Krieges wurde auf dem Gelände Sand und Kies gefördert, um die umliegenden Häuser wieder aufbauen zu können. In dem entstandenen Loch wurden Abfälle vom Brauhaus Halle und durch die Anwohner Müll und Schutt abgeladen.

Zu diesem Zeitpunkt wurde es als unzumutbares Gelände deklariert. Auf Grund der Lebensmittelknappheit, begannen die Anwohner auf der aufgeschütteten Fläche, Essbares anzubauen. Zu dieser Zeit war das Errichten von Gebäuden nicht erlaubt. Es entstanden 9 Parzellen.

Nach 1950 wurde Muttererde aufgefüllt und die Parzellen wurden weiter geteilt, wodurch die noch heute bestehende Uneinheitlichkeit der Gärten zustande kam.

Später durften Gartenlauben gebaut werden. Im Jahr 1954 wurde die Wasserleitung verlegt, 1979 erfolgte der Anschluss an das Stromnetz und 1983 kam das Spartenheim dazu.

Nach der Wende wollte die Stadt Halle die Flächen zur Bebauung mit Einfamilienhäusern nutzen. Es gab sogar schon einen Bebauungsplan. Dieses Vorhaben konnte mit Unterstützung des Stadtverbandes der Gartenfreunde Halle abgewendet werden.

Heute befindet sich die Gartenanlage auf einer Fläche von 11.569 m² und verfügt über 41 Gärten in der Größe von 120m² bis 467m².

[Katrin Vorholz, 2022]